Hammerfettbombekrass

22. Oktober 2018 Redaktion 0 Comments

Rheinpfalz – von Klaus D. Kullmann

Nach seinem Diamond-League-Sieg hatte Speerwerfer Andreas Hofmann (MTG Mannheim) im Urlaub sein Handy im Flugmodus. Jetzt geht der Blick wieder nach vorne. Am Samstag leitete er mit Trainer Lutz Klemm einen Lehrgang in Ludwigshafen.

«Ludwigshafen.»Seit ein paar Wochen ist die Leichtathletiksaison vorbei. Die Sonne aber scheint noch immer. Wohlige Herbstsonne. Auch am Samstag. Da fielen einem viele Freizeitaktivitäten ein. Man müsste nicht unbedingt in der Leichtathletikhalle in Ludwigshafen Station machen. Oder doch? Für zwölf Trainer und zwölf Nachwuchsathleten jeden Alters gab’s überhaupt kein Überlegen, kein Zögern. Andreas Hofmann (26) aus Kirrlach, für viele ein Idol, hatte sich mit seinem Trainer Lutz Klemm (57) angekündigt. „Live und in Farbe. Die Kids sehen heute nicht auf Folien, wie ich werfe, sondern in echt, wie ich aussehe“, sagte Hofmann vor dem Lehrgang, „ich freue mich sehr auf ihn.“

Er und Lutz Klemm arbeiten seit elf Jahren zusammen. 2018 gipfelte das Teamwork im Gewinn des deutschen Meistertitels, der EM-Silbermedaille von Berlin und im Diamond-League-Sieg. „Ich war, das soll jetzt nicht abgehoben klingen, in diesem Jahr der weltbeste Speerwerfer. Es gibt emotional nichts Schöneres“, sagte „Andi“ und hängte sein „Hammerfettbombekrass“ einfach dran. Alle Würfe über 86 Meter, fünf davon über 90 Meter. Chapeau!

„Ich habe 2018 mit meinem Trainer sehr eng zusammengearbeitet und immer besser über Training und Wettkämpfe reflektiert. Was kann man ändern, was verbessern. Alles kleine Schritte, die den großen ermöglichten“, sagte Hofmann. Nach der Teilnahme am „Club der Besten“ in Spanien und dem Urlaub mit Freundin Julia im Berchtesgadener Land (mit Handy im Flugmodus) setzt er sich neue Ziele. Der Blick ist auf 2019 gerichtet, aber auch die Bachelorarbeit an der Uni Heidelberg festgelegt: „Wurfleistung und maximale Kraftleistung“. „Man braucht dafür auch Quellen und Belege, ich kann nicht alles aus dem Effeff hinschreiben“, sagt er. Will heißen: ein bisschen Arbeit an der Uni neben der Karriere.

Lutz Klemm war vom Dudenhofener Trainer Thomas Lickteig, neben Christian Jäger die treibende Kraft des zwei Jahre alten Vereins „Freunde und Förderer der Pfälzer Leichtathletik“, engagiert worden und bat Hofmann, einfach mitzukommen. Für vier Stunden Theorie und Praxis, für Spaß und Lust auf mehr Karriere und Leistungssport.

Uli Fehr, der Vorsitzendes des LTV Bad Dürkheim, lobte: „Die Kombination Trainer/Athleten ist eine andere, eine besondere Art von Fortbildung, die man nicht oft angeboten bekommt. Eine super Sache“. Auch Annette und Peter Borutta, Eltern und Trainer der Hammerwerferin Samantha Borutta, der deutschen Meisterin der TSG Mutterstadt, waren da. „Ich gucke, was ich für meine Leichtathletikgruppe mitnehmen kann, ob es was Neues gibt und etwas ich für Sam abzweigen kann“, sagte Annette Borutta, ihr Mann ergänzte: „Mir geht’s um neue Reize. Vielleicht höre ich eine paar neue Kleinigkeiten.“

Diplom- und badischer Landestrainer Lutz Klemm führte in den Workshop theoretisch ein („Ohne Gleichgewicht geht im Wurf nichts“), danach ging’s an die Praxis. Er sieht solch einen Lehrgang auch für sich selbst als Weiterbildungslehrgang, „denn auch ich muss mich ja schlau machen, was ich vortrage“. Etwas, was für jeden Trainer gilt. „Ich will heute erreichen, dass meine Zuhörer das Wurftraining ganzheitlich sehen und erfassen, und ich will vor allem auch die Trainer motivieren. Wir haben viel mehr Trainer als wir ahnen. Aber die Frage ist doch: Kommen sie auch an die entsprechenden Talente?“, sagte Klemm.

Solch eine Trainerin ist auch Josefine Klett (Grünstadt), selbst Diskuswerferin, mit 16 Jahren schon Leiterin zweier Gruppen. Sie hatte Hofmann als Teilnehmerin des DLV-Jugendlagers bei der EM in Berlin interviewt. „Das war unglaublich gut.“ Und das war der Workshop am Samstag wohl für alle.

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